Geschichte

Die Zeit von 1920 bis 1945


Nach dem 1. Weltkrieg vereinigten sich die deutschen Länder zum Deutschen Reich. Von dieser Vereinigung waren auch die jeweiligen Länderbahnen betroffen. Mit der Vereinbarung zwischen Reich und Ländern vom 10. März 1920 und dem folgenden Gesetz vom 1. April 1920 wurden die Länderbahnen zur Deutschen Reichsbahn zusammengefaßt und gingen in das Eigentum des Deutschen Reiches über. Am 12. Februar 1924 wurde sie per Notverordnung in ein eigenständiges Unternehmen umgewandelt. Durch das Reichsbahn-Gesetz vom 30. August 1924 übernahm die Deutsche-Reichsbahn-Gesellschaft (DRG) den Betrieb und die Verwaltung des Unternehmens DR. Sie war ein unmittelbares Reichsunternehmen, das juristische Selbständigkeit besaß. Die Eisenbahnanlagen blieben weiterhin Eigentum des Deutschen Reiches.
Hintergrund für die Umwandlung der Deutsche Reichsbahn in ein juristisch selbständiges Unternehmen war die Feststellung der Reparationskommission, daß Deutschland die Reparationszahlungen auf Grund des Zahlungsplanes aus dem Jahre 1921 nicht aufbringen konnte. Zwei Sachverständigenausschüsse untersuchten deshalb Möglichkeiten der Erhaltung der deutschen Zahlungsfähigkeit. Auf der Londoner Konferenz am 15. und 16. August 1924, die unter deutscher Beteiligung stattfand, wurde der nach dem Vorsitzenden des ersten Sachverständigenausschusses benannte „Darwes-Plan" verabschiedet. Er sah vor, zur Sicherung der Zahlungen Reichsbahn und Reichsbank als selbständige Gesellschaften unter internationaler Kontrolle zu belasten. Die Reichsbahn gab für den von ihr aufzubringenden Lastenanteil (6% von 11 Milliarden Goldmark Jahresrate) Obligationen aus.

Der Initiator des Darwes-Planes, der amerikanische Bankier und Wirtschaftsexperte Charles Darwes wurde dafür 1925 mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet.

 

In den 30er Jahren veränderte sich die politische Lage. Das Reichsbahn-Gesetz wurde am 13. März 1930 neu gefaßt, um den ausländischen Einfluß auf die Bahn zu beseitigen. Diese Fassung brachte auch neue Regelungen zur Betriebsorganisation, zum Tragen von Uniformen, Kokarden usw. mit sich. Da sie nicht schnell genug in den Betriebsalltag integriert werden konnten, entstanden eine Vielzahl von Unklarheiten. Dies geht auch aus den folgenden Auszügen aus Kurzmitteilungen, die von uns unter einer Menge Altpapier in der ehemaligen Bahnmeisterei Sitzendorf gefunden wurden, hervor (wir geben die Mitteilungen teils wörtlich, teils sinnentsprechend wieder).

 

Erfurt, den 27. März 1933
Das tragen von Abzeichen nationaler Parteien und Verbände im Dienst ist weiterhin gestattet.

Erfurt, den 28. März 1933
Farben der Reichskokarde:
Die bisherige Kokarde soll durch eine schwarz-weiß-rote Kokarde in der Ausführung der Offizierskokarde der Vorkriegszeit (vor dem 1. Weltkrieg) ersetzt werden.

Erfurt, den 12. April 1933
Die für den 29. und 30. April vorgesehenen Betriebsratswahlen werden verschoben, ein neuer Termin ist noch nicht bekannt.
Am 12. Januar 1934 wird für die ausgegebenen Freifahrtscheine von der Deutschen-Reichsbahn-Gesellschaft eine in 9 Gruppen gestaffelte sogenannte Freifahrtspende verlangt. Die Gruppen beziehen sich auf die jeweiligen Einkommen der Arbeiter, Beamten und Präsidenten. Arbeiter zahlen 1,00 RM bzw. 1,50 RM, Beamte zw. 1,50 RM und 16,00 RM, Präsidenten 26,00 RM. Die Spenden werden noch nachträglich für das Jahr 1933 berechnet und in 2 Raten von den Lohnbezügen der Monate Februar und März abgezogen. Ausgenommen von dieser Regelung sind alle, die 1933 keine Freifahrtscheine privat genutzt haben. Im Vorfeld dieses Erlasses war die private Nutzung der Freifahrtscheine verboten worden. Dieses Verbot wird mit dem Spendenerlaß wieder aufgehoben.

Am 5. Juni 1934 wird in einem Schreiben der Hauptverwaltung der DRG in Berlin die Zuständigkeit der Bahnpolizei gegenüber SA- und SS-Leuten geklärt. Danach sind diese bei bahnpolizeilichen Übertretungen nach den geltenden Bestimmungen zu behandeln. Es ist jedoch sofort die zuständige Stelle des Feldjägerkorps oder der SA bzw. SS zu verständigen. Dieses Schreiben wurde am 16. Juni 1934 von der Reichsbahndirektion Erfurt sowie am 20. Juni 1934 vom Reichsbahn-Betriebsamt Saalfeld abgezeichnet und ging am 26. Juni in der Bahnmeisterei Sitzendorf ein.


Um alle Zweige des Verkehrswesens, insbesondere die Eisenbahnen, uneingeschränkt den Zielen des faschistischen Staates unterzuordnen, erfolgte 1937 durch Gesetz die Auflösung der Deutschen-Reichsbahn-Gesellschaft und ihre Umwandlung in die Deutsche Reichsbahn, die unmittelbar dem Reichsverkehrsministerium unterstellt wurde.

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