Geschichte

Die Entwicklung bis 1920


Im Schwarzatal hatte sich im 19. Jahrhundert eine umfangreiche Holz-, Glas- und Porzellanindustrie entwickelt. Doch zum weiteren Bestehen und zur Weiterentwicklung dieser Industrien waren effektive Transportmittel dringend notwendig. Dieses Transportmittel konnte zur damaligen Zeit nur die Eisenbahn sein. Fabrikanten im Schwarzatal und dessen näherer Umgebung gründeten deshalb 1872 das „Comitee Schwarza-Eisenbahn". Der Erfurter Ingenieur Löser arbeitete im Auftrag dieses „Comitees" ein Projekt zum Bau einer Bahn von Schwarza (Saale) durch das Schwarzatal mit Anschluß an die Werrabahn aus. Dieses Projekt sah im weiteren einen Anschluß an das süddeutsche Eisenbahnnetz vor. Die finanziellen Mittel für diese Pläne sollte über eine Aktiengesellschaft aufgebracht werden. Im folgenden wurden mögliche Trassen über Schwarzburg-Sitzendorf-Mellenbach-Katzhütte-Oelze und Schwarzbrunn nach Eisfeld ausgearbeitet. Auf Grund der schwierigen topographischen Lage mit dem engen Schwarzatal und der Untertunnelung des Gebirgskammes des Thüringer Waldes waren jedoch alle Projekte zum Scheitern verurteilt. Außerdem führte die geplante Strecke durch das Jagdgebiet der Grafen von Schwarzburg-Rudolstadt.


In der Folgezeit entstanden noch weitere Projekte zur Erschließung des Schwarzatales:
1871: Schwarza (Saale)-Königsee-Gehren-Ilmenau
1874: Saalfeld (Saale)-Unterwirbach-Blankenburg-Schwarzburg-Lichtegrund-Wallendorf-Sonneberg
1880: Katzhütte-Großbreitenbach
1883: Gehren-Königsee-Schwarzburg

 

Von Saalfeld (Saale) kommend stieß 1884 die Saaleisenbahngesellschaft als erste in Richtung des Schwarzatales bis Blankenburg vor. Die Vorarbeiten dazu wurden 1885 vorläufig abgeschlossen.
Am 30. Januar 1895 wurde zwischen Preußen und Schwarzburg-Rudolstadt ein Staatsvertrag bgeschlossen. Kurz darauf ordnete Preußen am 8. April 1895 per Gesetz den Bau der Schwarzatalbahn an. Durch Differenzen zwischen den Regierungen Preußens und Schwarzburg-Rudolstadt verschob sich der Baubeginn allerdings um 5 Jahre.
Am 16. Dezember 1899 wurde der erste Abschnitt (6,88 Kilometer) der Schwarzatalbahn von Rottenbach nach Königsee eröffnet. Der zweite Abschnitt von Köditzberg nach Sitzendorf (8,16 Kilometer) wurde am 27. Juni 1900 und der letzte Abschnitt bis Katzhütte (14,29 Kilometer) zwei Monate später am 18. August 1900 eröffnet.


Vorgesehen war ursprünglich noch eine Weiterführung der Strecke von Katzhütte nach Großbreitenbach, die jedoch wegen des zu großen technischen Aufwandes nicht realisiert wurde. Die Betriebsführung übernahm die Preußische Staatsbahn.
In „Storms Kursbuch fürs Reich, Winterausgabe 1915/16" werden für die Strecke Rottenbach-Königsee täglich sechs Personenzugpaare ausgewiesen. Die Fahrzeit für die 7 Kilometer lange Strecke betrug damals rund 20 Minuten.
Im selben Kursbuch finden wir für die Strecke Rottenbach-Katzhütte täglich vier Personenzugpaare. Für die Entfernung von 25 Kilometer benötigte man damals etwa 70 Minuten. Interessant ist dabei, daß nicht alle Personenzüge in Bechstedt-Tripstein gehalten haben.

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