Strecke

Anschlüsse


Durch den Bau der Schwarzatalbahn blühte auch die Wirtschaft im Schwarzatal auf. Um Güter besser per Bahn abtransportieren zu können, richteten größere Betriebe Gleisanschlüsse ein. Sie ermöglichen ein einfacheres Beladen der Güterwagen mit den produzierten Gütern. Auch eine Übergabestelle zum Umsetzen von Fahrzeugen wurde an der Schwarzatalbahn eingerichtet. Sie dient dem Weitertransport der Wagen auf der Oberweisbacher Bergbahn. Im folgenden sind diese Anschlüsse einzeln aufgeführt und beschrieben.

 

Anschlußausweichstelle bei Rottenbach (km 0,5)
Kurz vor Verlassen des Ortes Rottenbach befindet sich in Fahrtrichtung rechts bei km 0,5 eine Anschlußausweichstelle (Awanst). Sie besteht aus mehreren Gleisen und wurde 19.. für ? eingerichtet. Heute befindet sich auf dem zugehörigen Gelände ein RHR Raiffeisen Bauzentrum und Reifenservice. Es besteht aus einem Verwaltungsgebäude, einem weiteren Verwaltungsgebäude mit Garagen und einer Lagerhalle. Diese Gebäude sind allerdings nicht neu errichtet, sonder stammen vermutlich aus den 80-er Jahren. Auf dem Gelände steht noch ein großer Scheinwerfermast zur Beleuchtung. Außerdem beleuchten 11 Pilzlampen die Gleisanlagen der Awanst. Zwischen dem Streckengleis und der Awanst sind Schilder aufgestellt, die auf Kabel der DP hinweisen. Bis auf wenige Ausnahmen besitzen alle Gleise Betonschwellen.
Die Anschlußweiche A1 und die Schutzweiche A2 der Awanst sind in gerader Stellung (Durchfahrt nach Katzhütte) festgelegt und durch ein Schloß gesichert. Die Weiche A2 mündet in Richtung Rottenbach in ein ca. 15m langes Schutzgleis. Die Awanst besteht aus 2 Lade- und 2 Abstellgleisen, die durch insgesamt 6 Weichen untereinander verbunden sind.
Die beiden Abstellgleise befinden sich innerhalb der Einzäunung des Raiffeisen Bauzentrums. Neben dem ersten Gleis in Richtung Rottenbach steht ein Tank mit der Anschrift „Wühler & Hahn, Inh. Otto Wühler". Das zweite Abstellgleis in Richtung Rottenbach ist mit Baumaterialien zugestellt. Beiden Ladegleise sind noch frei befahrbar. Auch die Weichen sind alle noch in Ordnung. Sie sind von A1 (Anschlußweiche zum Streckengleis) bis A6 (Abschlußweiche zum ehem. „Wendegleis") durchnumerieret.
Das „Wendegleis" muß früher einmal ca. 5m länger gewesen sein, wie der Freiraum hinter dem heutigen Prellbock andeutet. Die noch nicht angerosteten Befestigungsschrauben des Prellbocks lassen darauf schließen, daß er Anfang 1998 neu befestigt wurde.

 

Übergabestelle zur Oberweisbacher Bergbahn (km 14,63)
Da auch die Region oberhalb des Schwarzatals an die Bahn angeschlossen werden sollte, kam es 1919 zum Bau der Oberweisbacher Bergbahn. Nach dreieinhalbjähriger Bauzeit wurde sie am 15. März 1923 eröffnet. Über die Bergbahn sollten Güter, welche oberhalb des Schwarzatals produziert wurden, zur Schwarzatalbahn weitertransportiert werden.
Um die beiden Bahnen miteinander zu verbinden, wurde in Fahrtrichtung links eine gegenläufige Rechts-Weiche eingesetzt. Auch sie ist in Durchfahrtrichtung festgelegt und durch ein Weichenschloß gesichert. Nach dieser Weiche wird das Anschlußgleis durch eine weiter Weiche in zwei jeweils 63m lange Gleise aufgeteilt, die in eine 8,50 m Drehscheibe münden. Die beiden Gleise dienen zur Übergabe bzw. Übernahme von Wagen zur und von der Oberweisbacher Bergbahn. Die Drehscheibe wird durch einen Motor bewegt und per Hand mechanisch verriegelt. Die Wagen wurden über Seilzüge auf die Wagendrehscheibe und weiter auf die Bühne der Bergbahn gezogen. Die Seilzüge wurden dazu über jeweils einen der drei Pfeiler, die am Rande der Drehscheibe aufgestellt sind, gelegt und mit dem zu befördernden Wagen und einer Zuglok verbunden. Anschließend werden sie auf der Güterbühne der Bergbahn weiter nach Lichtenau und in der anderen Richtung auf der Schwarzatalbahn weitertransportiert.
Betriebstechnisch muß der Weitertransport der Wagen zum Bahnhof Mellenbach-Glasbach erfolgt sein, da der Anschluß zur Bergbahn in Richtung Katzhütte in die Schwarzatalbahn mündet und vor Mellenbach-Glasbach keine Rangiermöglichkeit für die Lok besteht.
Betriebsrechtlich geschieht die Übergabe von Wagen auf die Standseilbahn wie die Bedienung einer Anschlußstelle. Der Streckenrangierer bzw. der Zugführer muß vor dem Umlegen der Anschlußweiche 1 fernmündlich eine Genehmigung beim Fahrdienstleiter Mellenbach-Glasbach einholen. Dazu bedient er sich des Streckenfernsprechers, welcher ursprünglich in der noch vorhandenen Wellblechbude im Kilometer 14,59 angebracht war. Heute befindet sich der Fernsprecher neben der Wellblechbude in einem vor den Witterungseinflüssen schützendem Blechkasten.

 

Anschluß Glaswerk Mellenbach-Glasbach (km 18,2)
Dieser Anschluß hat heute seine Bedeutung verloren. Bis auf eine Halle existiert das Glaswerk existiert heute nicht mehr und somit besteht auch kein Bedarf Güter an dieser Stelle auf die Schwarzatalbahn zu bringen. Gleise, Prellböcke und Rampe sind aber noch erhalten, so daß man sich den früheren Betrieb dieser Anschlußstelle gut vorstellen kann. Sie befindet sich rechts der Strecke (in Richtung Katzhütte) und ist über eine verschließbare, gegenläufige Links-Weiche mit dem Streckengleis verbunden. Durch eine weitere ebenfalls verschießbare Weiche wird der Anschluß in Lade- und Ausziehgleis unterteilt. An dem in Richtung Rottenbach führenden Ladegleis (Gleis 1) befindet sich ein Gebäude, dessen Bedeutung noch nicht endgültig geklärt werden konnte.
Bezeichnung der Weichen ebenfalls mit A1 & A2 ?

 

Anschluß Holzwerk Katzhütte (km 23,19)
Kurz vor Katzhütte befindet sich die letzte Anschlußstelle an die Schwarzatalbahn. Für den Abtransport des verarbeiteten Holzes wurde bei km 23,19 für ein großes Holzwerk (heute Sägewerk und Holzhandel Schwarzmühle GmbH (Tel. 036705/6960, Fax 036705/61079), welches sich rechts der Strecke befindet, ein weiterer Anschluß eingerichtet.
Die Gleis der Anschlußstelle besitzen bis auf wenige Ausnahmen Stahl- und Betonschwellen und liegen ca. 1,80m tiefer als das Streckengleis. Sämtliche Weichen sind dabei auf Stahlschwellen montiert und von A1 bis A4 durchnumerieret.
Die Gleisanlagen des Holzwerkes sind über eine Rechts-Weiche (in Fahrtrichtung) mit der Hauptstrecke verbunden. Wie bei allen Anschlußstellen der Schwarzatalbahn ist auch diese Weiche (A1) in Durchfahrtrichtung festgelegt und verschlossen.
Ursprünglich waren 3 Abstellgleise in Richtung Rottenbach und ein Abstellgleis in Richtung Katzhütte vorhanden. Anfang 1998 (März ?) begann man damit die beiden längsten Gleise in Richtung Rottenbach (Gleis 2 & 3 ?) abzubauen, um Platz zur Holzlagerung zu schaffen. Die ausgebauten Schienen wurden zeitweise auf verbliebenen Resten der beiden Gleise 2 & 3 gelagert. Das erste Ladegleis in Richtung Rottenbach (Gleis 1, 80 Schwellen lang) befindet sich an einer ca. 1,70m hohen Rampe und ist noch frei. Das vierte Gleis (Gleis 4, 140 Schwellen lang), welches als Lade-, Auszieh- und Schutzgleis betrachtet werden kann, war im April 1998 ebenfalls noch vollständig erhalten.
In früheren Zeiten war der Betrieb an dieser Anschlußstelle so umfangreich, daß das Holzwerk eine eigene Werkslok besaß. Diese stand bei unserem Besuch im August 1997 am Ende des ersten Abstellgleises in Richtung Rottenbach und rostete vor sich hin. Bei einem zweiten Besuch im April 1998 stand sie auf Gleis 4 in Richtung Katzhütte. An der hellblau lackierten Lok war schwach noch folgende Anschrift zu entziffern:


Staatlicher Forstwirtschaftsbetrieb
Neuhaus/Rennweg
Sitz Katzhütte
Bis auf die folgenden Bemerkungen waren keine technische Daten an der Lok markiert:
Br. Rew. Th ???
Br. U. Sa. 12.4.91
Letzte U. Th 10/87
Hersteller LOB

raanzer.de